Die höchste Stufe Ihrer Lebenspyramide:Vereinfachen Sie sich selbst (S. 233-234)
Ihr simplify-Traum: Letzte Nacht
Sie waren im Paradies. Sie haben gesehen, dass es dort zugleich paradiesisch und ziemlich alltäglich zugeht. Sie waren in einer großen Landschaft, und Sie hatten manchmal das Gefühl, an der Spitze Ihres Lebens angelangt zu sein. Aber die ganze Zeit, während der Sie mit Ihrem Partner die Weiten der Zweisamkeit durchstreift haben, fühlten Sie ein eigentümliches Hinausstreben aus der Partnerschaft.
Zunächst dachten Sie, das sei eine Krise. Waren Sie Ihres Partners überdrüssig? Hatten Sie Lust auf neue erotische Abenteuer? Aber das war es nicht. Es war noch stärker als sexuelle Lust, noch sehnsüchtiger als das Verlangen nach einem anderen Menschen. Es war ein unbeschreiblicher innerer Drang nach Alleinsein.
Und dann entdecken Sie den alten Turm. Er ragt so aus dem Nebel, wie am Anfang das unterste Stockwerk Ihrer Lebenspyramide aus dem Morgengrauen emporwuchs. Sie beschleunigen Ihre Schritte. Sie wollen die Hand Ihres Partners loslassen, aber dann merken Sie, dass er schon seit einiger Zeit nicht mehr neben Ihnen war. Sie sind allein.
Der Turm erscheint wie ein alter Tempel, wie ein Gartenhaus oder ein kleines Schloss. Stellenweise ist er überwuchert mit Efeu und Kletterrosen. Er kommt Ihnen uralt vor und doch sind viele Stellen offensichtlich frisch renoviert oder völlig neu erbaut. Sie gehen staunend um das Bauwerk herum und stellen dabei fest, dass es neun Türen hat. Das macht Sie neugierig. Die erste Tür, die Sie zufällig öffnen möchten, ist verschlossen. Die nächste geht nur einen Spalt weit auf. Nach und nach erforschen Sie alle neun Türen und stellen fest, dass sie ganz unterschiedlich aussehen. Aber eine davon gefällt Ihnen besser als die anderen. Vorsichtig legen Sie die Hand an Ihre Lieblingstür, und lautlos öffnet sie sich sanft nach innen.
Im Inneren des Turms ist es dunkel. Es braucht Zeit, bis sich Ihre Augen an die lichtlose Stille gewöhnt haben. Dann geht Ihr Blick nach oben, und Sie vergessen weiterzuatmen. Über Ihnen wölbt sich der Himmel, eine sternenklare Nacht, aber nicht so wie auf der Erde. So muss es im Weltraum aussehen, denken Sie und spüren gleichzeitig, dass Sie nicht mehr stehen, sondern schwerelos schweben. Das Innere des Turms ist unermesslich groß und unermesslich tief. Sie breiten die Arme aus und kommen mit einem Mal auf den Gedanken, dass alle Sterne in der unendlichen Weite des Universums Sie selbst sind.
Dann gleitet Ihr Blick wieder nach unten, und Sie entdecken direkt unter sich den riesigen Kristall. Er liegt weit unter Ihnen, die Entfernung lässt sich nicht beschreiben. Sie sinken ihm entgegen (oder steigt er zu Ihnen auf?), bis Sie ihn fast berühren können. Wieder durchfährt Sie der Gedanke: Das bin ich. Er hat meine Farbe, meine Form, mein Licht, meine Temperatur, meine Schönheit. Auch wenn ich noch nicht so bin wie er: So soll ich werden. Und Sie wissen, dass Sie am Ziel sind. Nein, nicht angekommen. Sie haben es gesehen, wenn auch nicht berühren dürfen. Sie kennen es, dürfen es aber nicht besitzen. Vorsichtig tasten Sie hinter sich. Da ist die Tür. Sie halten den Griff fest und sind froh, ihn zu spüren. Sie drehen sich um und treten ins Freie. Aber Sie blicken nicht in die Landschaft, und Sie schauen auch nicht zurück in das Innere des Turms. Sie sehen nur auf die Tür und sind ihr zutiefst dankbar."
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