5 Der Überforderungsfalle entgehen (S. 63-64)
5.1 Der Unternehmer als Alleskönner – Warum wir diesen Zopf abschneiden müssen
Sie wollen ein Unternehmen gründen? Was ist dazu wichtig? Auf diese Fragen gibt es in der deutschen Gründerberatung eine einhellige Antwort: Sie bräuchten hierfür zuallererst gute betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Sich diese Kenntnisse anzueignen und sie sachkundig anzuwenden sei von entscheidender Bedeutung. Je besser sich Gründer oder Gründerin in Bereiche wie Management, Marketing oder Finanzierung einarbeiteten, desto höher sei die Chance auf Erfolg.
Gründern wird suggeriert, sie müssten Alleskönner sein, sich im Rechnungswesen, in der Finanzierung gleichermaßen auskennen wie mit Management, Marketing, Personalfragen, Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Steuerrecht. Mit Banken sollen sie verhandeln können, mit Kunden und mit Lieferanten. Die Mitarbeiter sollen sie führen und die Öffentlichkeitsarbeit gestalten. Die Bilanz müssen sie verstehen und auch das Controlling. Da ist er wieder, der Extremsportler mit masochistischem Einschlag. Das alles soll er bewältigen – und die Marathonstrecke wird mit jedem Tag länger. Obwohl die Aufzählung schon eindrucksvoll genug ist, muss man sich vor Augen halten, dass es sich dabei praktisch nur um die Überschriften über ganze Fachgebiete handelt. In Teilen ist das notwendige Fachwissen sogar so aufgefächert, dass ein Einzelner es gar nicht flächendeckend bewältigen kann (zum Beispiel im Arbeitsrecht oder Steuerrecht). Es sind dies ja alles Gebiete, bei denen man Monate, ja Jahre bräuchte, um sich so solid einzuarbeiten, dass man wirklich kompetent handeln könnte.
Es kommt noch hinzu, dass diese Gebiete ständig weiter an Breite und Tiefe zunehmen. Was also in der Vergangenheit vielleicht noch realistisch war – einigermaßen kompetent in diesen Feldern zu agieren –, ist es heute nicht mehr. In dieser Situation gibt es gar keinen anderen Ausweg als die Suche nach Möglichkeiten, die eigene Nichtkompetenz zu substituieren.
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